Hanf erlebt in neuem Gewand ein Comeback

Hanf, das normalerweise für Faserstoffe, Körner und psychoaktive Substanzen angebaut wird, steht im Zentrum eines aufflammenden Interesses für die Herstellung bioaktiver Stoffe.

Das Projekt "Multipurpose hemp for industrial bioproducts and biomass" (MULTIHEMP) setzt sich aus einem internationalen Konsortium zusammen, das renommierte akademische Einrichtungen und 13 kleinere Partnerunternehmen umfasst, die in relevanten Bereichen der Supply-Chain erneuerbarer biologischer Stoffe zusammenarbeiten. Im Rahmen des MULTIHEMP-Projekts werden Hanfgenotypen entwickelt, die zu verschiedenen Anbauumgebungen passen, um eine verbesserte Ausgangsbasis für die Herstellung einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte zu ermöglichen, die von Marktkräften einer integrierten Bioraffinerie bestimmt sind.

Das Spektrum innovativer Produkte ist von der Nachfrage und Marktkräften bestimmt. Dieses umfasst Fasern für Textilien des technischen Bedarfs, formbare Bioverbundstoffe und Isolationsmaterialien, kohlenstoffarme Baumaterialien, Öl zur gesundheitlichen Anwendung und für die Körperpflege, Eiweiße im Lebens- und Futtermittelbereich sowie hochwertige chemische Verbindungen wie Pflanzensterine, Wachse und ätherische Öle.

Nebenprodukte wie etwa Faserverarbeitungsstaub, Flüssigkeiten vom Abkochprozess der Fasern, Mehl (oder Bestandteile) der Ölextraktion sowie Rückstände gedroschener Produkte der Saaternte können innovativ genutzt werden. Vor allem Restbiomasse kann zur Herstellung von Bioethanol verwendet werden und dem Ernteertrag dadurch zusätzlichen Wert verleihen.

Im Fokus von Anbauinitiativen standen CAD-Gene, die für die Lignin-Biosynthese und für Mutationen von Ölsäuren und hochprozentigen Gamma-Linolsäuren von zentraler Bedeutung sind. Eine genomweite Abbildung von Verbindungen wurde für mehr als 100 Linien zum Zwecke von Feldversuchen verfügbar gemacht.

Die Feldversuche sind von entscheidender Bedeutung für die Erfüllung der Projektziele. Fünf quer über Europa verteilte Standorte fungieren als Basis für einen Vergleich 14 gewerblicher Sorten und der Auswirkungen des Stickstoffgehalts und der Pflanzendichte auf Ernteertrag und -qualität. Die im Rahmen der Feldversuche gesammelten Daten ermöglichen verbesserte Genotypen und Evaluationen der Auswirkungen von Genotyp, Umgebung und Management (G x E x M) auf die Erträge und die wichtigsten Qualitätsmerkmale. Im Zuge des MULTIHEMP-Projekts wird unter Verwendung von Feldversuchsdaten ein neues Anbauwachstumsmodell zur Optimierung von Genotyp, Umgebung und Management entwickelt, wobei insbesondere die Verbesserung von Qualitätsmerkmalen im Vordergrund steht.

Im Hinblick auf die Bioraffinerie wird eine bestmögliche Verwendung aller Pflanzenbestandteile sichergestellt. Die Forscher haben daher den Prototyp einer Erntemaschine entwickelt, die sowohl Körner als auch Rückstände gedroschener Produkte in einem einheitlichen Verfahren sammelt. Im Zuge des MULTIHEMP-Projekts wurde die Maschine bereits getestet.

Die MULTIHEMP-Projektaktivitäten wurden so ausgelegt, potenzielle Vorteile für die Umwelt und Landwirtschaft maximal auszuschöpfen. Dies umfasst die Untersuchung der Auswirkungen einer Verdrängung petrochemischer und aus Baumwolle gewonnener Stoffe. Insgesamt zielt das Projekt auf eine Maximierung der wirtschaftlichen Erträge an, um die Nachhaltigkeit für die Umwelt zu verbessern und die ländliche Entwicklung zu fördern.

veröffentlicht: 2015-06-03
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