Die AIDS-Pandemie ist in afrikanischen Ländern südlich der Sahara (SSA) längst nicht unter Kontrolle und erfordert weiterhin dringend innovative Strategien. Mit der Identifizierung neuer pharmazeutischer Zielmoleküle zur Eindämmung der HIV-Replikation könnte nun die Größenordnung des Problems reduziert werden.
Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als 30 Millionen Menschen mit HIV
infiziert. Die einzigen Möglichkeiten, Ansteckungsrisiko und virale
Replikation zu reduzieren, sind Prävention und so genannte
antiretrovirale (ARV) Medikamente. Derzeit gibt es 27 zugelassene
Wirkstoffe, die die normale Funktion von HIV-Enzymen unterbrechen,
welche das Virus für seinen Replikationszyklus in infizierten Zellen
benötigt.
Allerdings ist das Virus in der Lage, durch Enzymmutationen dem
Angriff des Immunsystems zu entgehen und arzneimittelresistente Stämme
zu bilden. So muss kontinuierlich an der Entwicklung neuer Medikamente
mit sehr unterschiedlichen Wirkmechanismen geforscht werden.
In diesem Zusammenhang befasste sich das EU-finanzierte Projekt
"Generation of a new class of antiretrovirals targeting HIV-cellular
cofactors interactions" (
HIVINNOV)
mit einer neuen Klasse antiretroviraler Medikamente, die spezifisch die
Virus-Wirt-Interaktion stören. Die Strategie basiert auf zwei Molekülen
- Cofaktoren des Integrase-Enzyms und des Kapsidproteins (CA).
Die Projektpartner trugen viel zur Enthüllung dieser Cofaktoren und
deren Rolle im HIV-Replikationszyklus bei. So entwickelten sie kleine
Moleküle, die die Integrase-LEDGF-Interaktion hemmen und sich durch
starke antiretrovirale Aktivität auszeichnen. Zunächst werden diese in
vivo am humanisierten HIV-Mausmodell und danach in Phase I/IIa-Studien
getestet. Da bisherige Ergebnisse viel versprechend sind, liegt nahe,
dass diese Moleküle sowohl die Integration des Virus in die Zielzellen
wie auch die Produktion infektiöser Partikel hemmen.
Beim neu entdeckten Cofaktor Transportin plant das Konsortium
Strukturanalysen und das Hochdurchsatz-Screening auf Substanzen, die
dessen Wechselwirkung mit CA blockieren. Auch dies ergab mehrere Hits,
sodass nun weiter an der antiviralen Aktivität dieser Moleküle geforscht
wird.
HIVINNOV entwickelt eine neue Generation antiviraler Medikamente,
die derzeitige Schwachstellen bei HIV-Medikamenten überwinden helfen.
Ebenso bedeutsam ist der Beitrag des Konsortiums zur Zulassung von
Wirkstoffen in den SSA durch aktive Teilnahme an Phase-II-Studien.