
Ein Waldbrand oder ein Hochwasser bedeutet Chaos: Rauch, Wasser, ausgefallene Leitungen und Dutzende Teams, die gemeinsam handeln müssen. Das EU-finanzierte Projekt OVERWATCH verbindet Daten von Satelliten und Drohnen, künstliche Intelligenz und erweiterte Realität, damit Einsatzkräfte schneller verstehen, was vor Ort passiert. Erprobt wurde das System bei Übungen in Portugal und Polen – und am Ende kannst du prüfen, ob du einen kühlen Kopf behältst, wenn jede Information zählt.
Die Folgen des Klimawandels sind in ganz Europa bereits deutlich zu spüren. Mit steigenden Temperaturen werden Katastrophen wie Überschwemmungen und Waldbrände häufiger und schwerer, und das Leben der Menschen gerät zunehmend in Gefahr. Für Rettungsdienste heißt das: immer schwierigere Einsätze, in denen Entscheidungen schnell und oft auf Grundlage unvollständiger Informationen fallen müssen.
Genau hier setzt das EU-finanzierte Projekt OVERWATCH an, das von Vanina Fissore vom italienischen Innovations-KMU Ithaca koordiniert wird. Das Team hat ein System entwickelt, in dem Holografie, Drohnen und künstliche Intelligenz zusammenarbeiten, um Einsatzkräfte bei klimabedingten Katastrophen zu unterstützen.
Am Anfang stand die Frage, womit Reaktions- und Wiederherstellungsteams in einer Krise zu kämpfen haben. Die Antwort lässt sich auf drei Punkte bringen:
Hinzu kommt die Sicherheit der Einsatzkräfte selbst. „Außerdem können Erkundungsmissionen für das Personal gefährlich werden, insbesondere in instabilen oder unzugänglichen Umgebungen“, erklärt die Projektkoordinatorin. Und weiter: „Viele dieser Aufgaben könnten auf sichere Weise unter Einsatz unbemannter Systeme durchgeführt werden.“
Im Zentrum von OVERWATCH steht die Erdbeobachtung. Das System sammelt Daten von Satelliten und Drohnen und verarbeitet sie mit Werkzeugen der künstlichen Intelligenz. So werden aus rohen Bildern und Messwerten Informationen, mit denen die Einsatzleitung sofort arbeiten kann. Satelliten liefern den Überblick, Drohnen den genauen Blick auf einen bestimmten Ort – zusammen ergibt sich ein vollständigeres Bild des Geschehens.
Fissore beschreibt es so: „Durch Integration von Daten von Satelliten und Drohnen sowie deren Darstellung über intuitive Schnittstellen wie Web-Dashboards und erweiterte Realität hilft das System den Teams, die sich am Boden entwickelnden Bedingungen besser zu verstehen.“
Die besten Daten nützen nichts, wenn sie nicht übertragen werden können. Deshalb setzt das Projekt auf eine resiliente Kommunikation über Ausweichnetze, die von kabelgebundenen Drohnen bereitgestellt werden. Fällt die gewohnte Infrastruktur aus, sollen diese Netze die Verbindung zwischen den Teams vor Ort und der Einsatzleitung aufrechterhalten.
Außerdem unterstützt das System die autonome Erkundung. Gefährliche Aufgaben können so an Maschinen abgegeben werden, statt Menschen in unsicheres Gelände zu schicken.
Am eindrucksvollsten ist die Art, wie das System Informationen zeigt. Dazu gehört ein Element mit Holografie und erweiterter Realität (AR), das auf speziellen Visieren läuft. Die Koordinatorin erklärt es so: „Die Komponente mit erweiterter Realität gestattet es den Feuerwehrleuten und dem Führungsteam des Katastrophenschutzes, dieselben Informationen, die auf dem Web-Dashboard verfügbar sind, etwa Live-Karten, Brandperimeter, Drohnenpositionen und Hochwasserdaten, direkt über ihre physischen Umgebungen zu legen.“
In der Praxis muss niemand ständig zwischen Bildschirm und Gelände hin- und herschauen, weil die wichtigsten Daten direkt im eigenen Blickfeld erscheinen. „Anstatt sich auf bruchstückhafte und verzögerte Informationen verlassen zu müssen, können die Führungsteams auf ein klareres Echtzeitbild der Situation zugreifen, wodurch schnellere und fundiertere Entscheidungen möglich werden“, fügt Fissore hinzu.
Das System ist nicht nur im Labor entstanden. Es wurde in realen Szenarien erprobt: bei einer Waldbrandübung in Portugal und bei einer Demonstration der Systemwerkzeuge in Polen, bei der es um Überschwemmungen ging. Fachleute aus der Praxis und Endnutzende konnten dabei das Gesamtsystem testen, einschließlich aller Plattformfunktionen und der AR-Schnittstelle. Bei den Veranstaltungen kamen Zivilschutzbehörden, militärische Einheiten und Notfalleinsatzkräfte aus verschiedenen Ländern zusammen, um Wissen und Einsatzerfahrungen auszutauschen.
Die Forschenden verfeinern das System weiter und beziehen dabei die Rückmeldungen der Nutzenden ein. Dafür hat das Team eine kostenlose 30-tägige Testphase angeboten, in der Notfallmanagementbehörden und alle Interessierten praktische Erfahrungen mit der Plattform sammeln konnten.
OVERWATCH zeigt, dass Weltraumtechnologie nicht bei Raketen und Teleskopen endet. Satellitendaten kommen auf der Erde an und helfen Menschen in sehr konkreten Situationen. Ein solches Projekt braucht Fachleute für Erdbeobachtung, künstliche Intelligenz, Kommunikation, Interface-Design und Krisenmanagement. Wer gerade ein Studienfach oder ein Thema für die Abschlussarbeit sucht, kann daraus etwas mitnehmen: Die Verbindung mehrerer Fachgebiete ist oft mehr wert als eine enge Spezialisierung.
Auch die Arbeitsweise des Teams lohnt einen Blick: Tests mit künftigen Nutzenden, Rückmeldungen sammeln, nachbessern. Dieser Ansatz hilft in jedem Projekt, von der Hausarbeit bis zum Beruf.
OVERWATCH verbindet Satelliten, Drohnen, künstliche Intelligenz und erweiterte Realität, damit Rettungsdienste besser auf Waldbrände und Hochwasser reagieren können. Das System antwortet auf drei Probleme: ein fehlendes aktuelles Lagebild, Ausfälle der Kommunikation und eine schwierige Koordinierung. Langfristig hofft das Team, dass solche Plattformen die Resilienz Europas gegenüber klimabedingten Katastrophen stärken und deren Folgen für Menschen, Infrastruktur und Umwelt verringern.
Dieser Artikel beruht auf einem Beitrag des CORDIS-Dienstes der Europäischen Kommission.
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