Likes oder Neugier? Wie das Alter die Wahl des Urlaubsziels beeinflusst + test

Junge Frau in gelber Jacke fotografiert einen Stadtplatz mit dem Handy

Likes, Kommentare und Urlaubsfotos können stärker mitbestimmen, wohin Menschen reisen, als man denkt – aber nicht bei allen gleich. Ein amerikanisches Forschungsteam hat die Antworten von über 2.800 Reisenden aus vier Generationen ausgewertet und geprüft, wer Reisen mit Blick auf Reaktionen im Netz plant. Die Ergebnisse überraschen, vor allem bei Generation Z und Generation X – und am Ende kannst du prüfen, wie stark deine eigenen Reisepläne von sozialen Medien abhängen.

Inhalt

⇑Likes als versteckte Reisewährung

In der heutigen, stark vernetzten Welt beeinflussen soziale Medien die Reisepläne der Menschen. Vor einer Reise schauen sich viele Reiseblogs, Posts und Bewertungen an. Offen bleibt, wie groß oder gering dieser Einfluss tatsächlich ist – und ob er davon abhängt, ob man jünger oder älter ist.

Genau das wollte ein amerikanisches Forschungsteam herausfinden. Die verantwortliche Autorin Sabrina Rahman betont, wie aktuell das Thema ist: „Dies ist ein relativ neues, aber überaus relevantes Phänomen, da mittlerweile etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung soziale Medien nutzen“.

⇑Was ist „sozialer Ertrag“?

Der zentrale Begriff der Studie hat einen Namen. Rahman, die unlängst an der Universität Georgia promovierte, erklärte ihn in einer Pressemitteilung: „Wann immer wir etwas in den sozialen Medien posten, gehen wir davon aus, dass unsere Mitmenschen positiv darauf reagieren und Likes und Kommentare hinterlassen, um eine Form von Interaktion mit unseren Posts zu generieren“.

Und weiter: „Diese Erwartung, ein positives Feedback zu erhalten, bezeichnen wir als ‚sozialen Ertrag‘, und wir praktizieren sie in unserem Alltag, ohne es zu merken.“ Ein Urlaubsfoto funktioniert also ein wenig wie eine kleine Investition: Man postet es in der Hoffnung auf einen Ertrag in Form von Reaktionen aus dem Freundeskreis und von Followern.

⇑Vier Generationen, über 2.800 Reisende

Das Team teilte über 2.800 Reisende in vier Generationen ein, die acht Jahrzehnte umspannen:

  • Babyboomer, geboren zwischen 1946 und 1964,
  • Generation X, geboren zwischen 1965 und 1980,
  • Millennials, geboren zwischen 1981 und 1996,
  • Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012.

Die Daten stammen aus drei separaten Studien aus den Jahren 2016 bis 2021, die vier Reiseziele abdeckten: Kuba, Frankreich, Slowenien und die Vereinigten Staaten. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Current Issues in Tourism“.

⇑Wie der Wunsch nach Online-Anerkennung gemessen wurde

Kuba und Slowenien galten als unkonventionelle Reiseziele, weil sie deutlich weniger Besucherinnen und Besucher anziehen als große globale Tourismusmagneten wie Frankreich und die Vereinigten Staaten.

Die Befragten bewerteten, inwieweit sie der Aussage zustimmten, dass das Posten von Reisefotos von einem bestimmten Ort sie online cool, beliebt, einzigartig oder clever erscheinen lassen würde. Außerdem schätzten sie ein, wie wahrscheinlich es sei, dass sie diesen Ort im nächsten Jahr, in fünf Jahren und in zehn Jahren besuchen. Anschließend verglich das Team die Ergebnisse aller vier Generationen, um festzustellen, ob sich der Wunsch nach Online-Anerkennung – und seine Wirkung auf die Reisepläne – je nach Generation unterscheidet.

⇑Ältere Reisende setzen nicht auf Likes

Die Babyboomer wiesen im Allgemeinen die niedrigsten Werte beim sozialen Ertrag aller Generationen auf. Ältere Reisende hatten weniger als jüngere das Gefühl, dass Reisefotos im Netz ihr soziales Ansehen steigern würden – und dieser Unterschied wirkte sich direkt auf ihre Reisepläne aus. Für sie zählte schlicht weniger, wie eine Reise online aussieht.

⇑Millennials wollen auffallen, Generation X überrascht

Bei den Millennials zeigte sich der stärkste Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach Online-Einfluss und dem tatsächlichen Wunsch, ungewöhnliche Orte wie Kuba und Slowenien zu besuchen. Bei diesen beiden Zielen bestimmte vor allem die Frage, wie beeindruckend die Reise online wirken würde, ihre Pläne. Diese Gruppe wollte sich nicht anpassen, sondern auffallen.

Die größte Überraschung lieferte Generation X. Ausgerechnet sie – und nicht die Millennials oder Generation Z – zeigte den stärksten Zusammenhang zwischen sozialem Einfluss und Reisen nach Frankreich und in die Vereinigten Staaten.

⇑Generation Z geht ihren eigenen Weg

Die jüngsten Befragten, also Generation Z, interessierten sich kaum für den Hype. Die Ergebnisse zeigten nur einen geringen Zusammenhang zwischen sozialem Einfluss und dem Wunsch, gängige Tourismusmagneten wie Frankreich zu besuchen. Generation Z bevorzugte stattdessen das Neue.

Das ist bemerkenswert für alle, die annehmen, dass gerade die Jüngsten ihre Reiseziele vor allem nach Fotos für das Netz auswählen. Laut dieser Studie verbinden ältere Jahrgänge – Millennials und Generation X – ihre Reisepläne stärker mit dem, was sich online zeigen lässt.

⇑Wie das in der Praxis aussieht

Rahman weist darauf hin, dass die Inspiration aus dem Netz in einer ganz bestimmten Phase wirkt: bei der Planung. „Die Menschen schauen sich vor einer Reise Reiseblogs, Posts und Bewertungen an, so dass unser Eindruck von diesen Reisezielen in den sozialen Medien unsere Reiseabsichten prägt“, sagt die Forscherin. Sie ergänzt: „Und je nachdem, welche positiven Rückmeldungen ich womöglich erhalten werde, veranlasst uns diese Annahme manchmal dazu, bestimmte Orte zu besuchen oder ein neues Restaurant auszuprobieren.“

Für Studierende, die eine Reise planen – ob Sommerurlaub, Wochenendtrip oder Auslandssemester –, ist das ein guter Anlass für ein paar Fragen. Es lohnt sich zu prüfen:

  • ob das Reiseziel aus Neugier gewählt wird oder danach, wie gut es auf Fotos aussieht,
  • ob Blogs, Posts und Bewertungen eine Informationsquelle sind oder eine Liste dessen, was man gesehen haben muss,
  • ob die Reise genauso gelungen wäre, wenn kein einziges Foto davon online landet.

⇑Fazit

Die Auswertung der Antworten von über 2.800 Reisenden zeigt: Wie stark soziale Medien die Wahl des Urlaubsziels beeinflussen, hängt vom Alter ab. Die Babyboomer setzen am wenigsten auf den sozialen Ertrag. Millennials wählen am liebsten unkonventionelle Ziele, mit denen sie auffallen. Generation X lässt sich bei Frankreich und den Vereinigten Staaten überraschend stark vom Netz leiten, und Generation Z bevorzugt schlicht das Neue.

⇑Fünf Fragen: Wählst du deinen Urlaub aus oder deine sozialen Medien? (Test)

5 Fragen · eine Minute

1. Womit beginnst du die Planung einer Reise?

2. Wie oft postest du Fotos von deinen Reisen?

3. Wie fühlst du dich, wenn ein Urlaubspost nur wenige Likes bekommt?

4. Wählst du ein Restaurant oder eine Sehenswürdigkeit aus, weil sie im Netz beliebt ist?

5. Wie sähe deine Reise aus, wenn du nichts davon posten könntest?


veröffentlicht: 2026-10-21
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