Zurück ins Büro? Was 7.700 Beschäftigte über Homeoffice verraten + test

Junge Frau arbeitet im Homeoffice am Laptop zu Hause

Viele Unternehmen holen ihre Leute zurück an den Schreibtisch im Büro. Eine Studie aus den USA lässt an dieser Strategie zweifeln: Wer vollständig aus der Ferne arbeitet, fühlt sich am wohlsten, wer jeden Tag vor Ort ist, am wenigsten. Überrascht war sogar die Forscherin selbst, die eigentlich auf das Hybridmodell gesetzt hatte. Was hinter den Zahlen steckt und warum Flexibilität das Schlüsselwort ist – und am Ende kannst du prüfen, wie viel Homeoffice-Typ in dir steckt.

Inhalt

⇑Pflicht zur Rückkehr auf dem Prüfstand

Nach der Pandemie haben viele Arbeitgebende eine klare Linie gezogen: Die Belegschaft soll wieder ins Büro kommen. Neue wissenschaftliche Beweise stellen die Regeln für die Fernarbeit allerdings in Frage. Ein Forschungsteam in den Vereinigten Staaten hält es für an der Zeit, gängige Annahmen über das Arbeiten von zu Hause aus zu überdenken.

Die Botschaft der Studie fasst Co-Autorin Stefanie Johnson so zusammen: „Dies legt nahe, dass man den Mitarbeitenden die Möglichkeit zur Fernarbeit geben sollte, wenn sie dies wünschen“. Und sie geht noch einen Schritt weiter: „Den Menschen die Wahlmöglichkeit zu nehmen, wie sie arbeiten möchten, wird ihrem Wohlbefinden wahrscheinlich nicht zuträglich sein.“

⇑Wer hinter der Untersuchung steht

Stefanie Johnson ist Professorin für organisatorische Führung und Informationsanalyse an der Universität von Colorado Boulder. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Frontiers of Psychology veröffentlicht. Laut diesen Erkenntnissen gaben vollständig in Fernarbeit tätige Mitarbeitende die höchste Zufriedenheit an, vollständig vor Ort tätige dagegen die geringste.

Ein häufiges Gegenargument lautet, dass das Homeoffice den Zusammenhalt im Team zerstört. Dafür fand die Studie keine deutlichen Hinweise: Fernarbeitsmodelle schwächten weder die kollegiale Verbundenheit noch die Kultur am Arbeitsplatz erkennbar.

⇑Eine große Organisation, drei Arbeitsmodelle

Die Forschenden analysierten über 7.700 Beschäftigte einer großen Gesundheitsorganisation. Verglichen wurden drei Gruppen: 1.869 Personen arbeiteten vollständig aus der Ferne, 2.099 im Hybridmodell und 3.736 vor Ort. Später setzte das Team die Angaben zum Wohlbefinden in Beziehung zu den Fluktuationsraten, also dazu, wer die Organisation danach verließ.

Diagramm: Arbeitsform von 7700 Beschaeftigten - remote 1869, hybrid 2099, vor Ort 3736

Außerdem sollten die Teilnehmenden die Kultur an ihrem Arbeitsplatz beschreiben. Wer aus der Ferne arbeitete, griff häufiger zu Begriffen, die mit Teamarbeit, Inklusion und Unterstützung verbunden sind. Das Wohlbefinden war in dieser Gruppe am höchsten und bei den klassisch vor Ort Tätigen am niedrigsten. Wer sich besser fühlte, verließ die Organisation später zudem seltener.

⇑Wohlbefinden hat viele Gesichter

Zufriedenheit ist nicht gleich Zufriedenheit. Deshalb erfasste das Team fünf Dimensionen des Wohlbefindens:

  • körperliches Wohlbefinden,
  • geistiges Wohlbefinden,
  • emotionales Wohlbefinden,
  • soziales Wohlbefinden,
  • finanzielles Wohlbefinden.

Gerade die soziale Dimension ist spannend, denn sie widerspricht dem Bild vom einsamen Homeoffice-Arbeitsplatz, an dem man den Kontakt zum Team verliert.

⇑Die Forscherin hatte anderes erwartet

Die Ergebnisse überraschten Johnson selbst. Sie war davon ausgegangen, dass Hybridmodelle am besten abschneiden, weil sie persönliche Kontakte ermöglichen. „Ich dachte eigentlich, man wäre am glücklichsten, wenn man einen Teil der Zeit außerhalb des Büros arbeitet. In dem Fall trifft man ab und zu andere Menschen und erlebt diese zwischenmenschliche Verbundenheit.“

Die Daten zeichneten jedoch ein anderes Bild. Die Forscherin hat ihre Erwartung also an den Befunden gemessen und nicht umgekehrt.

⇑Warum Chefetagen trotzdem zurückrufen

Für Johnson ist die Lage eindeutig: „Die Daten aus unserer Studie und anderen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Fern- und Hybridarbeit zu besseren Ergebnissen führt, als die verpflichtende Rückkehr ins Büro“. Warum setzen dennoch so viele Firmen auf Anwesenheitspflicht? Ihre Erklärung fällt nüchtern aus: „Führungskräfte treffen ihre Entscheidungen nicht auf der Grundlage von Daten. Ich denke, sie wenden sich einfach wieder gewohnten Verhaltensweisen zu.“

Laut Johnson ermöglichen die Ergebnisse Arbeitgebenden fundiertere Entscheidungen. Wer das Wohlbefinden der Belegschaft in den Mittelpunkt stellt, kann damit auch als Unternehmen erfolgreicher sein.

⇑Autonomie, Kontakte und weniger Stress

Ganz überflüssig wird das Büro dadurch nicht. Persönlicher Kontakt bleibt nach Johnson wichtig für den Aufbau von Beziehungen unter Kolleginnen und Kollegen, besonders beim beruflichen Einstieg. „Fernarbeit funktioniert besser, wenn man die Leute kennengelernt hat. Die persönliche Anwesenheit ist also nach wie vor in gewissem Maße von Nutzen.“

Die Gründe für das höhere Wohlbefinden hat die Studie nicht untersucht. Die Forschenden verweisen aber auf die allgemeine Forschung, die den Einfluss von Autonomie und Flexibilität betont – etwa bei der Planung des Arbeitstags und der Wahl der Umgebung. „Wenn man über die Umgebung selbst entscheiden kann, werden tendenziell positivere Ergebnisse erzielt“, sagt Johnson. Dazu kommen kleine Belastungen des Alltags, die wegfallen, vom Pendeln bis zur Kinderbetreuung und Tierpflege: „Eine Menge Zeit im Stau zu verbringen, wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden aus. Es gibt so viele kleine Stressfaktoren, die mit der Anwesenheit im Büro verbunden sind.“

⇑Fazit

Die Studie aus Colorado liefert Argumente gegen die pauschale Rückkehr ins Büro: Beschäftigte, die aus der Ferne arbeiten, fühlen sich am wohlsten und bleiben ihrer Organisation eher treu, ohne dass die Teamkultur leidet. Persönliche Treffen behalten ihren Wert, vor allem zum Kennenlernen. Entscheidend ist die Freiheit, selbst zu wählen. Johnson ist sich sicher: „Ich bin davon überzeugt, dass sich das flexible Modell halten wird“.

⇑Fünf Fragen: Ist Homeoffice etwas für dich? (Test)

5 Fragen · eine Minute

1. Wie arbeitest du am liebsten an einem Projekt fürs Studium?

2. Du hast einen ganzen Tag ohne Stundenplan. Was passiert?

3. Kontakt zu Menschen bei der Arbeit ist für dich …

4. Was würdest du wählen, wenn du die Wahl hättest?

5. Wie reagierst du, wenn Daten deinen Überzeugungen widersprechen?


veröffentlicht: 2026-09-25
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