Online beweisen, wer man ist – ohne alle Daten preiszugeben + test

Studentin nutzt ihr Smartphone im Flur der Hochschule

Um online nachzuweisen, wer wir sind, geben wir oft viel mehr von uns preis, als nötig wäre. Das EU-finanzierte Projekt TrustED will das ändern: Es verbindet selbstbestimmte digitale Identität, föderales Lernen und moderne Verschlüsselung, damit Menschen und Organisationen Daten sicher austauschen und gemeinsam auswerten können, ohne die Kontrolle abzugeben. Erprobt wird das Ganze bei Freiwilligen und in Krankenhäusern – und am Ende kannst du testen, wie gut du selbst auf deine digitale Identität achtest.

Inhalt

⇑Daten können helfen, aber nur mit Vertrauen

Datengestützte Technologien haben das Potenzial, die Lebensqualität der Europäerinnen und Europäer spürbar zu verbessern. Digitale Identität und Datenaustausch könnten dabei eine Schlüsselrolle in Europas digitaler Zukunft spielen – vom Behördengang bis zur medizinischen Forschung. So weit die Theorie. In der Praxis stehen dieser Vision immer noch deutliche Barrieren im Weg, und sie haben vor allem mit drei Dingen zu tun: Sicherheit, Datenschutz und Vertrauen.

Wer seine Daten hergibt, will sicher sein, dass sie nicht in falsche Hände geraten. Und wer mit Partnern in anderen Ländern zusammenarbeitet, möchte wissen, dass dort dieselben Spielregeln gelten. Genau an dieser Stelle setzt das Projekt TrustED an.

⇑Vier Hürden auf dem Weg

Das Projektteam benennt die Hindernisse, die einem sicheren digitalen Europa derzeit im Weg stehen, ziemlich konkret:

  • Identitätsdiebstahl, bei dem sich jemand im Netz als eine andere Person ausgibt,
  • Datenlecks, durch die vertrauliche Informationen nach außen gelangen,
  • datenschutzrechtliche Risiken im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz,
  • ein begrenztes Vertrauen in den grenzüberschreitenden Datenaustausch.

Jede dieser Hürden für sich bremst schon die Bereitschaft, digitale Dienste zu nutzen. Zusammen erklären sie, warum viele Menschen skeptisch bleiben, wenn sie online persönliche Angaben machen sollen.

⇑Eine Identität, die dir gehört

TrustED entwickelt deshalb eine sichere und interoperable Lösung für digitale Identitäten. Sie soll eine sichere Zusammenarbeit über sogenannte Datenräume hinweg ermöglichen – also über gemeinsame Umgebungen, in denen verschiedene Beteiligte Daten nach klaren Regeln teilen. Das Rahmenwerk folgt dem Ansatz „Privacy by Design“: Datenschutz wird nicht nachträglich angeflanscht, sondern ist von Anfang an eingebaut.

Im Kern kombiniert TrustED selbstbestimmte digitale Identität mit vertrauenswürdiger Datenanalyse. Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen sollen so mit anderen Einrichtungen zusammenarbeiten können, ohne dass die Privatsphäre oder das Vertrauen der Beteiligten auf der Strecke bleibt. Ein wichtiger Baustein ist die europäische Brieftasche für die Digitale Identität (EU Digital Identity Wallet). Diese sichere App erlaubt es, die eigene Identität nachzuweisen und verifizierte persönliche Daten grenzüberschreitend auszutauschen.

⇑Auswerten, ohne herzugeben

Spannend wird es bei der Frage, wie sich Daten analysieren lassen, ohne sie aus der Hand zu geben. TrustED setzt dafür auf datenschutzkonformes föderales Lernen: Die Analyse findet statt, ohne dass Rohdaten weitergegeben werden. Die Daten bleiben also dort, wo sie sind, und trotzdem lassen sich Erkenntnisse daraus gewinnen. Hinzu kommt, dass passende Datensätze über Datenräume hinweg auffindbar sein sollen.

Außerdem nutzt das Projekt modernste Technologien zum Schutz der Privatsphäre: Null-Wissen-Beweise, homomorphe Verschlüsselung und differentielle Privatsphäre. Diese Werkzeuge sollen den Datenschutz gewährleisten und gleichzeitig eine effiziente Datenverarbeitung sowie eine vertrauenswürdige Verifizierung zulassen. Für Studierende der Informatik oder Kryptografie klingt das nach Vorlesungsstoff – hier wird es zur praktischen Anwendung.

⇑Erster Praxistest: Freiwillige und NRO

Das Team hat seine Technologie an zwei Hauptanwendungsfällen erprobt. Im ersten ging es um eine Wallet für selbstbestimmte Identität, gedacht für Freiwillige und Nichtregierungsorganisationen (NRO). Sie soll digitale Berechtigungsnachweise sicher und nutzungsfreundlich verwalten. Die Forschenden schauten genau hin, wie Nutzerinnen und Nutzer mit dem Instrument umgehen: wenn sie eine überprüfbare Identitätsbescheinigung erstellen, eine Freiwilligenbescheinigung generieren und diese Nachweise bei NRO vorlegen.

Der nächste Arbeitsschritt: Die Abläufe zur Erstellung verifizierbarer Zertifikate für Freiwillige sollen mithilfe von Ad-hoc-Webschnittstellen verbessert werden. Außerdem arbeitet das Team an der Integration in einen minimal realisierbaren Datenraum. Darin sollen Freiwillige über ein Dashboard sehen können, welche Aktivitäten oder Möglichkeiten die NRO in diesem Datenraum anbieten.

⇑Zweiter Praxistest: das Krankenhaus

Der zweite Anwendungsfall führte in ein besonders sensibles Umfeld: die Analyse klinischer Daten. In diesem Pilotvorhaben bewertete die Forschungsgruppe die TrustED-Plattform für föderales Lernen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sie sichere und kooperative klinische Forschung in realen Krankenhausumgebungen unterstützen kann.

Konkret wollte das Team herausfinden, ob sich die Plattform in bestehende klinische Forschungsabläufe einfügt, ob ihre Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse angemessen sind und wie vertrauenswürdig die beteiligten Interessengruppen die Nutzung des föderalen Lernens einschätzen. Als Nächstes steht die Integration mehrerer Komponenten an: eine organisatorische Wallet zur Authentifizierung der Beteiligten im Datenraum, der Dienst für föderales Lernen und ein Portal, über das die Teilnehmenden Zugang erhalten.

⇑Worum es am Ende geht

Projektleiter Alex Cuenca fasst die Zielsetzung so zusammen: „Unsere Mission bei TrustED besteht darin, Lösungen zu entwickeln, die es Nutzenden und Organisationen gestatten, das Potenzial der Daten maximal auszuschöpfen und dabei den Datenschutz im Rahmen des neuen Paradigmas der europäischen Datenräume zu gewährleisten“.

TrustED liefert dafür praktische Werkzeuge und Methoden. Sie sollen Organisationen helfen, digitale Technologien mit mehr Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit und Nutzervertrauen zu entwerfen, einzuführen und zu bewerten.

⇑Fazit

TrustED zeigt, dass Datennutzung und Datenschutz kein Widerspruch sein müssen. Mit selbstbestimmter Identität, föderalem Lernen und Verschlüsselungsverfahren arbeitet das Projekt an einem digitalen Ökosystem, das vertrauenswürdiger, transparenter und stärker am Menschen ausgerichtet ist. Ob bei Freiwilligen oder im Krankenhaus: Die Idee ist, dass jede und jeder selbst entscheidet, welche Daten wem gezeigt werden.

⇑Fünf Fragen: Wie gut achtest du auf deine digitale Identität? (Test)

5 Fragen · eine Minute

1. Eine App möchte Zugriff auf deine Kontakte und deinen Standort, obwohl unklar ist, wozu. Was machst du?

2. Du sollst beim Aufrufen einer Website dein Alter bestätigen. Was ist dir lieber?

3. Passwörter für verschiedene Konten…

4. Du hörst, dass man Daten analysieren kann, ohne sie weiterzugeben. Deine Reaktion?

5. Was hältst du von einer einzigen digitalen Brieftasche für Dokumente und Nachweise?


veröffentlicht: 2026-09-25
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