Altes Holz als Rohstoff: wie aus Faserplattenabfall neue Platten werden + test

Stapel gebrauchter Holzplatten und Bretter auf einer Baustelle wartet auf die Verwertung
Stapel gebrauchter Holzplatten und Bretter auf einer Baustelle wartet auf die Verwertung

Die halbe Studentenbude besteht aus Pressspan: Regal, Schreibtisch, Küchenfront. Was davon beim Auszug übrig bleibt, landet meist im Container, denn Faserplatten gelten als schwieriger Abfall. In der EU fallen jährlich fast 47 Millionen Tonnen Holzabfälle an, nur rund 40 Prozent werden zu neuen Produkten. Das EU-Projekt EcoReFibre hat geprüft, was davon technisch und wirtschaftlich wirklich machbar ist – und wie nah dein eigenes Denken an Material und Kreislauf liegt, klärt der Test am Ende.

Inhalt

Ein Haufen Altholz ist kein Müll, sondern ein Lager

Auf fast jeder Baustelle steht irgendwo ein Stapel ausgedienter Platten und Bretter. Für die meisten ist das Abfall, für die Materialforschung ist es ein Lager. In der Europäischen Union entstehen jährlich fast 47 Millionen Tonnen Holzabfälle, und nur etwa 40 Prozent davon werden derzeit als neue Produkte wiederverwertet. Alles andere verschwindet aus dem Materialkreislauf – zusammen mit dem Kohlenstoff, der im Holz gebunden ist.

Warum die Faserplatte schwieriger ist als das Brett

Ein Massivholzbrett lässt sich absägen, abschleifen und weiterverwenden. Bei einer Faserplatte geht das nicht: Sie ist bereits ein Verbundmaterial aus zerkleinerten Fasern, Bindemittel und Beschichtung. Genau solche Platten sind in der Möbelherstellung, in der Innenausstattung und im Bausektor weit verbreitet – und genau dort liegt ein enormes ungenutztes Recyclingpotenzial. Wer die Fasern zurückholen will, muss sie erst aus einem gemischten Abfallstrom heraussortieren und danach in einer Qualität liefern, mit der eine Plattenfabrik tatsächlich produzieren kann.

Sortieren, zerfasern, wiederverwenden: was EcoReFibre gemacht hat

Das EU-finanzierte Projekt EcoReFibre untersuchte kommerziell erprobte, großflächig einsetzbare Methoden, um genau diese industrielle Akzeptanz zu fördern. Koordiniert wird es von Stergios Adamopoulos von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. Das Team fuhr Pilotversuche zur Sortierung von Holzabfall, zur Zerfaserung und zur Faserwiederverwertung; innovative Technologien holten Holzfasern in einer Qualität aus den Abfallströmen, die für neue Faserplatten ausreicht.

„Die Wiederverwendung von Fasern in hochwertigen Materialien erforderte neue, interdisziplinäre Lösungen”, erklärt der Projektkoordinator. Ein weiterer Versuch nahm sich die Feinanteile vor, also die kleinsten Partikel, die beim Holzrecycling anfallen: „Die kleinsten Partikel beim Holzrecycling, die sogenannten Feinanteile, gelten oft als ein minderwertiges Nebenprodukt”, sagt Adamopoulos. Das Projekt zeigte, wie sie sich stattdessen in die Oberflächenschichten neuer Spanplatten einbauen lassen.

Was in den Pilotversuchen herauskam

Die Prototyplösungen wurden entlang industriell umsetzbarer und wirtschaftlich tragfähiger Routen erprobt. Recycelt wurde zu:

  • Holzwerkstoffplatten aus zurückgewonnenen Fasern,
  • Dämmstoffen,
  • Biokompositen,
  • Spanplatten mit wiederverwendeten Holzfeinstoffen in den Oberflächenschichten.

Wie viel Recyclingfaser wirklich in eine neue Platte passt

Das übergeordnete Ziel war, die Abhängigkeit von Frischfasern zu verringern und bis zu 25 Prozent Recyclingfasern in neuen Faserplatten möglich zu machen. Die Zahl klingt unspektakulär, ist aber eine harte technische Ansage: Jeder zusätzliche Prozentpunkt muss Festigkeit, Oberfläche und Produktionsgeschwindigkeit überstehen. „Unser Ziel lautete, mithilfe einer für große Mengen geeigneten industriell skalierbaren Recyclingoption einen intelligenteren Materialeinsatz zu ermöglichen”, beschreibt Adamopoulos den Ansatz. Der Fokus lag dabei auf der Versorgung mit hochwertigem Abfall in großem Umfang und auf kreislaufwirtschaftlichen Geschäftsmodellen und Märkten.

Der Fahrplan: was noch fehlt, damit sich das rechnet

Ein wichtiges Ergebnis ist die EcoReFibre Strategic Roadmap. Sie beschreibt den Marktkontext, benennt Herausforderungen und Chancen und formuliert Empfehlungen für Forschung und Politik. Drei Schlüsselbereiche stehen darin: tragfähige Sekundärrohstoffmärkte, bessere Datensysteme, die Materialflüsse zusammenführen und Marktinformationen liefern, sowie die weitere Optimierung von Sortierung, Faserextraktion und Plattenherstellung mit Recyclingfasern.

Das Projekt läuft unter der Fördervereinbarung 101057473 vom 1. Mai 2022 bis zum 31. Oktober 2026, bei Gesamtkosten von 14 819 221,25 Euro und einem EU-Beitrag von 11 852 695,51 Euro. „Die technischen Lösungen von EcoReFibre und unser strategischer Fahrplan stehen im Einklang mit den Zielen der Bioökonomie-Strategie und dem bevorstehenden Rechtsakt über die Kreislaufwirtschaft der EU”, so der Koordinator.

Kurz gesagt

Recycling ist hier kein Slogan, sondern eine Kette technischer Entscheidungen: sortieren, zerfasern, im richtigen Verhältnis mischen, verkaufen. EcoReFibre zeigte, dass das bei Faserplatten- und Massivholzabfall technologisch und wirtschaftlich tragfähig ist; offen bleibt die Maßstabserweiterung. „Holz in Stoffkreisläufen zu halten, liefert den größten Gesamtmehrwert”, fasst Adamopoulos zusammen – weil der gebundene Kohlenstoff erhalten bleibt und der Druck auf Primärressourcen sinkt.

Fünf Fragen: denkst du im Kreislauf? (Test)

5 Fragen · eine Minute · ohne Speichern

1. Ein alter Schreibtisch, den du nicht mehr brauchst – was passiert mit ihm?

2. Schaust du beim Möbelkauf darauf, woraus die Möbel gemacht sind?

3. Was reizt dich mehr: das Produkt selbst zu entwerfen oder den Prozess, der es herstellt?

4. Wenn du hörst, etwas rechne sich nicht, denkst du:

5. Was motiviert dich an der Arbeit mit Materialien am meisten?


veröffentlicht: 2026-09-18
Kommentare
Privacy Policy