Dekontaminierung industrieller Kunststoffabfälle entlastet den Planeten

Hochmoderne Recyclingtechnologien entfernen gefährliche Stoffe aus Kunststoffen und tragen dazu bei, industrielle Kunststoffabfälle in die Kreislaufwirtschaft zu überführen.

Dank der ehrgeizigen europäischen Strategie für das Kunststoffrecycling und dem wachsenden öffentlichen Bewusstsein erscheint eine Zukunft ohne Umweltverschmutzung durch Kunststoffe trotz der derzeitigen Hindernisse immer mehr möglich. So werden in der EU zum Beispiel bereits 32,5 % der 29,1 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle recycelt. Doch was geschieht mit Kunststoffen, die aufgrund der darin enthaltenen gefährlichen Stoffe nicht recycelt werden können?

Das EU-finanzierte Projekt NONTOX entwickelt derzeit ein neuartiges Recyclingverfahren, das die Verwertungsquote von verunreinigten Kunststoffen aus Industrieabfällen erhöhen soll. Der Schwerpunkt liegt auf Kunststoffen aus Elektro- und Elektronik-Altgeräten, Altfahrzeugen sowie Bau- und Abbruchabfällen, die gefährliche Zusatzstoffe und Verbindungen wie Flammschutzmittel, Stabilisatoren und Füllstoffe enthalten. Die Risiken, die diese Zusatzstoffe und Verbindungen in sich bergen, verhindern derzeit, dass industrielle Kunststoffabfälle in die Kreislaufwirtschaft einbezogen werden, wodurch ungünstige Optionen wie Deponien oder Verbrennung die einzigen Alternativen darstellen.

NONTOX hat mit Extruclean und CreaSolv® zwei unterschiedliche Technologien zur Entfernung gefährlicher Stoffe aus Kunststoffabfallströmen von Elektro- und Elektronik-Altgeräten, Altfahrzeugen sowie Bau- und Abbruchabfällen entwickelt. Wie auf der Projektwebsite zu lesen ist, sollen diese Recyclingtechnologien „gefährliche und unerwünschte Stoffe wie Flammschutzmittel aus der Kunststoffmatrix entfernen, ohne die Polymerketten zu zerstören.“Extruclean ist ein innovatives Waschverfahren zur Dekontaminierung und zum Recycling von Kunststoffverpackungen, das vom NONTOX-Projektpartner AIMPLAS Plastics Technology Centre, Spanien, federführend erarbeitet wurde. Bei diesem Verfahren werden zwei in Reihe geschaltete Extruder eingesetzt. Wie in einem auf „AZoCleantech“ veröffentlichten Artikel beschrieben steht, „injiziert der erste Extruder überkritisches Kohlendioxid, das in die Abfallpolymermatrix infundiert wird, bevor die vakuumähnliche Entgasungsöffnung des zweiten Extruders die flüchtigen Verunreinigungen extrahiert.“

Die Technologie entfernt 86 % der Verunreinigungen und übertrifft damit herkömmliche Waschverfahren in ihrer Effizienz um 70 %. Außerdem verbraucht es weniger Wasser und setzt Reinigungsmittel und Strom effizienter ein als das dreifache Wasch- und Trocknungsverfahren mit hohem Wasserverbrauch, mit dem bisher giftige Stoffe aus Kunststoffverpackungen entfernt wurden.Die CreaSolv®-Technologie, die von der deutschen Forschungseinrichtung Fraunhofer patentiert wurde, welche auch zu den NONTOX-Projektpartnern zählt, wurde für das Projekt an die Kunststoffabfallströme von Elektro- und Elektronik-Altgeräten, Altfahrzeugen sowie Bau- und Abbruchabfällen angepasst. Das Verfahren beinhaltet die Trennung von Kunststoffverbundstoffen und kontaminierten Abfällen durch eine Methode, die als selektive Extraktion bezeichnet wird. Dieses mechanische Recyclingverfahren erlaubt die Rückgewinnung sehr reiner Kunststoffe auf der Grundlage ihrer Löslichkeit. Die Zielpolymere werden selektiv in einem Lösungsmittel gelöst, und ungelöste Bestandteile mechanisch beseitigt. Andere gelöste Stoffe werden daraufhin auf molekularer Ebene entfernt, wodurch das Zielmaterial gereinigt wird und Kunststoffe von nahezu reiner Qualität entstehen. „Bisher konnte diese Technologie für die erfolgreiche Reinigung von Altfahrzeugabfällen und in geringerem Maße für die Entfernung von bromierten Flammschutzmitteln aus [Acrylnitril-Butadien-Styrol, schlagfestem Polystyrol] und Polyolefinen demonstriert werden“, heißt es in dem Artikel.

NONTOX (Removing hazardous substances to increase recycling rates of WEEE, ELV and CDW plastics) wird vom Technischen Forschungszentrum Finnland VTT koordiniert. Das Projektteam hofft, bis 2022 ein wirtschaftlich wettbewerbsfähiges Recyclingverfahren entwickelt zu haben, mit dem aus kontaminierten Kunststoffabfällen sichere und hochwertige Sekundärkunststoffe hergestellt werden können.

Weitere Informationen:

NONTOX-Projektwebsite


veröffentlicht: 2021-09-01
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